Berufsbedingt werde ich täglich mit dem Thema Schmerz und vor allem chronifiziertem Schmerz konfrontiert. Vielen Patienten ist nicht bewusst, wie viele selbst geschaffene Ursachen es für ihre Schmerzen gibt. Und wie viel Schmerz man sich durch teils jahrelange gewisse Lebensstile und Gewohnheiten in sein Leben hineinzüchtet. Dabei ist auch wichtig zu verstehen, dass Schmerz ein enorm wichtiges Kommunikationsmittel unseres Körpers ist. Es ist seine einzige Möglichkeit uns darauf hinzuweisen, dass mit einer oder mehreren Funktionen unseres Körpers etwas nicht in Ordnung ist, oder zumindest ein besonderes Augenmerk auf einen bestimmten Bereich gelegt werden muss. Das bedeutet auch, dass jeder Mensch Eigenverantwortung für sich, seine Gesundheit und für die Behebung seiner Schmerzen hat. Ärzte und Therapeuten sind wichtig, um die Ursache zu finden und einen Weg aufzuzeigen, wie man wieder aus einer Krankheit oder einem Schmerzzustand herausfindet. Sie sind Ursachenforscher und Wegbegleiter. Letztendlich kann uns jedoch niemand tragen. Jeder muss seinen Weg am Ende für sich selber gehen.
Mir ist völlig bewusst, dass das Thema Schmerz ein sehr komplexes ist und die Lösung dafür auch bei weitem nicht immer leicht. Doch es gibt ein paar Stellschrauben, an denen jeder von uns drehen kann und mit denen viel mehr bewirkt werden kann, als viele von uns glauben. Zu verstehen, was unserem Körper fehlt und wie wir uns selber helfen können, gibt uns außerdem sehr viel Kontrolle über uns und unseren Zustand zurück. Es macht uns unabhängig von Ärzten, Therapeuten und Medikamenten und kann uns ein großes Stück Lebensqualität zurückgeben. Und das klingt doch eigentlich sehr gut, oder? ;-)
Gestörte Mikrozirkulation - wenn sich alles staut
Durch unser 90 000 Kilometer langes Gefäßsystem werden pro Minute 4 bis 6 Liter Blut umgewälzt. Es ist ein weit verzweigtes Netzwerk, das sicherstellt, dass alle Organe und Gewebe bis in die kleinste Zelle mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Je weiter die Gefäße vom Herzen entfernt liegen, desto kleiner werden sie. Wir sprechen vom Kapillargebiet der Mikrogefäße mit einem Durchmesser der Blutgefäße von 0,1 mm. Man kann sich nun vielleicht schon vorstellen, dass es hier wahnsinnig eng zugeht.
Vergleichbar mit einem Flussbett in dem sich viele große Äste und Schlamm angesammelt haben, können sich in unserem Gefäßsystem sogenannte Plaques anlagern. Abfallmaterial wie saure Stoffwechselprodukte, die eigentlich durch unsere Entgiftungsorgane Lunge, Leber und Niere entsorgt werden sollten, legen den Durchfluss an diesen Stellen lahm. Zum einen führt diese Stauung zu einem gesteigerten Druck und somit zu Schmerz. Zum anderen ist die Energieversorgung in diesem Bereich eingeschränkt und es kommt zu einer Schwächung der allgemeinen körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit. Abhängig davon, welches Gewebe betroffen ist, kann es zudem zu Einschränkungen der Organfunktionen und chronischen Organstörungen mit weiteren Folgeerkrankungen kommen. Auch Regenerations- und Heilungsprozesse sind verlangsamt, so dass u.a. anhaltende Wundheilungsstörungen auftreten können. Die Belastungsgrenze für jede Form von Stress sinkt, was sich negativ auf unsere körperliche als auch seelische Gesundheit auswirken kann.
An dieser Stelle setzen übrigens “blutverdünnende” Medikamente wie Aspirin an: sie sorgen dafür, dass der Durchfluss wieder verbessert und Stauungen sowie damit verbundene hohe Drücke abgebaut werden, um Schmerzen zu lindern.Für uns bedeutet das zweierlei Möglichkeiten:
Erstens eine bessere Hydratation unseres Körpers: je besser wir hydriert sind, sprich je mehr wir trinken, desto dünnflüssiger ist unser Blut und desto besser sind seine Fließeigenschaften auch dann, wenn es im Körper eng wird. Natürlich kommt es schon auch darauf an, was wir trinken. Das ist jedoch ein eigenes Thema für sich. Flüssigkeit ist aber auf jeden Fall zunächst einmal wichtig und richtig.
Zweitens die Reinigung unseres Blutes und unserer Entgiftungsorgane: im Laufe der Zeit hat sich die Verwendung vieler Kräuter entwickelt, deren Aufgabe es ist, Blut und Gewebe zu reinigen, um dadurch Stauungen und Schmerzen zu lindern. Brennnessel, Schafgarbe und Bärlauch sind ideale Helferlein zur Unterstützung der körpereigenen Müllabfuhr.Auch Bewegungsmangel oder Schwellungen nach Verletzungen oder operativen Eingriffen können den Blutkreislauf ins Stocken bringen und dadurch Schmerzen verursachen. Hier kommen beispielsweise Lymphdrainagen ins Spiel, die den Rückfluss anregen und unterstützen, um das Gewebe von zu hohen Drücken zu befreien.
Bewegungsmangel ist übrigens nicht einfach durch regelmäßiges Spazierengehen oder anstrengende körperliche Arbeit beizukommen. Regelmäßig bewegt werden wollen alle unsere Gelenke - von Kopf bis zum kleinen Zeh, und zwar am besten in ihrem gesamten Bewegungsausmaß, also in alle ihnen möglichen Richtungen. Und das sind mehr als die meisten von uns denken. Gleichzeitig natürlich in angepasster Form an unseren aktuellen Fähigkeiten und Bewegungsmöglichkeiten.
Je komplexer und abwechslungsreicher wir unseren Bewegungsalltag gestalten, desto besser geht es unseren Gelenken, unserem Gewebe und unserem Blutkreislauf.Atmen - wenn uns die Luft wegbleibt
Wir tun es den zwar den ganzen Tag und automatisch, und machen trotzdem vieles dabei falsch. Die Rede ist vom Atmen. Den wenigsten ist bewusst, wie groß unsere Lunge ist (überall dort, wo auch Rippen sind) und noch viel weniger, dass sie auch vollständig belüftet werden will. Es soll in alle ihre Winkel hineingeatmet werden. Viele von uns atmen im Alltagsstress nur oberflächlich in die oberen Bereiche unserer Lunge, das sogenannte Brustatmen. Die tiefe Bauchatmung, bei der sich der Bauch beim Einatmen wölbt, haben viele verlernt.
Oft halten wir auch unbewusst die Luft an, wenn wir gestresst sind oder anstrengende körperliche Tätigkeiten verrichten. Da unserer Nackenmuskulatur zur Atemhilfsmuskulatur zählt, die unseren Brustkorb zum atmen hebt und senkt, stehen Atmung, Stress und Nackenschmerz in direktem Zusammenhang.
Auch Stoffwechselvorgänge werden durch chronischen Sauerstoffmangel verlangsamt und sorgen für eine schlechter Zellversorgung und somit auf Dauer zu einer eingeschränkten Funktion. Anaerobe Bakterien hingegen, die für viele entzündliche Prozesse im Körper verantwortlich sind, freuen sich über den Sauerstoffmangel. Entzündungen entstehen zudem durch die vermehrte Säurenbildung im Gewebe, die aufgrund der mangelnden Sauerstoffversorgung entsteht. Der Körper denkt, überlastet zu sein. Auch hier verspüren wir am Ende wieder: Schmerz.
Nicht ohne Grund ist in vielen fernöstlichen Bewegungsphilosophien wie Yoga, Tai Chi oder Qigong die Atmung ein wesentlicher Bestandteil.“Weltmeister wird man in der Regeneration”
In unserem Körper laufen ständig regenerative Prozesse ab, bei denen Defekte erkannt, ausgebessert und behoben werden. In dieser Hinsicht sind wir ständig am Arbeiten. Ein Großteil dieser Prozesse laufen nachts ab, wenn wir zur Ruhe kommen und genug Zeit ist. Im Optimalfall ist man in der Nacht nicht mit Denken, Bewegen oder Verdauen beschäftigt, so dass er sich diesen wichtigen Wartungsarbeiten widmen kann. Jeder Mensch benötigt unterschiedlich viel Schlaf. Es ist nicht schwer herauszufinden, nach wie vielen Stunden man sich wirklich ausgeschlafen und regeneriert fühlt. Es ist wichtig, uns, wenn irgendwie möglich, oft genug diese Menge Schlaf zu gönnen, wenn wir wollen, dass alle Reparationsvorgänge ungestört vonstatten gehen können.Unabhängig von der nötigen Zeit braucht der Körper auch die notwendigen Materialien um reparieren zu können: hochwertige Eiweiße, Magnesium, Silizium, Vitamine, Kollagen und gute Fette. Je ausgewogener wir essen und unserem Körper die besten Bausteine zufügen, desto besser und qualitativer kann er arbeiten.
Es ist kein großes Hexenwerk, das hier beschrieben wird. Aber vielleicht ein erster Impuls um zu verstehen, was Schmerz bedeutet, wodurch er entstehen kann und wie man damit umgehen kann. Welche Möglichkeiten man hat Schmerz zu lindern und welche Ursachen es gibt, dass er überhaupt erst entsteht.
